Was ist duende und warum lässt es sich nicht erklären?
García Lorca versuchte es 1933 mit einem Vortrag in Buenos Aires. Siebzig Jahre später versuchen die Künstler des Cortijo noch immer jeden Donnerstag, ihn zu kontaktieren, ohne zu wissen, ob er kommen wird.

Es gibt Nächte im Cortijo, da blickt der Sänger zur Decke, schließt die Augen und stößt nach einer Stille, die ihm ewig vorkommt, einen Schrei aus, der alles um ihn herum zum Schweigen bringt – etwas ist geschehen: duende ist da.
Es ist das meistgenutzte und am schlechtesten erklärte Wort in ganz flamenco. Es ist weder Technik noch Virtuosität, nicht einmal Emotion. Es ist etwas, das passiert oder nicht passiert, und das gesamte Publikum weiß es in dem Moment, in dem es passiert.
Was Lorca sagte
1933 hielt Federico García Lorca in Buenos Aires einen Vortrag mit dem Titel „Theorie und Spiel des duende“. Für ihn war das duende weder eine Muse, die auf den Künstler herabstieg – das war der Engel –, noch eine innere Stimme, die diktierte – das war Intelligenz. Das duende, so sagte er, entspringt der Erde, den Fußsohlen, und „verwundet“.
"Der duende erscheint nur, wenn er eine Möglichkeit des Todes sieht."
— Federico García Lorca
Der Satz klingt übertrieben, bis man einmal eine Flamenco-Aufführung live erlebt hat. Dann versteht man, dass Lorca nicht metaphorisch sprach. Er meinte einen Flamenco-Sänger, der seine Stimme, seinen Atem, sein Gleichgewicht riskiert. Und manchmal gewinnt er.
Die duende im Cortijo

Wir betreiben flamenco seit zwei Jahrzehnten als Familie. Wir haben großartige Abende erlebt, aber auch solche, an denen die Stimmung eher kühl war. duende funktioniert nicht wie eine Glühbirne, die man mit einem Schalter einschaltet: Es hängt vom Künstler, dem Publikum, der Beleuchtung, dem Wein und etwas Unbeschreiblichem ab.
Was wir wissen, ist, dass der duende nicht in großen Theatern mit perfektem Klang zu hören ist. Er kommt erst zum Vorschein, wenn Gitarre und Gesang fast ineinanderfließen und man den Atem des Tänzers hören kann. Deshalb machen wir es weiterhin so, in einem kleinen Raum, wo man die Künstler fast berühren kann; ohne Nähe gibt es keine Übertragung.
Woran man erkennt, dass man duende gesehen hat
- Du vergisst, dass du dein Handy in der Tasche hast.
- Du spürst etwas im Nacken, nicht in den Ohren.
- Am Ende des Abends weiß man eigentlich nicht, was man sagen soll.
- Du bleibst während der Rückfahrt unbeabsichtigt still.
Und wenn er an dem Abend nicht auftaucht, kommt er am nächsten. So ist duende: Man engagiert ihn nicht, man wartet auf ihn.
Er erhält monatlich einen Bericht vom Bauernhof. Kein Lärm, keine Verkäufe.
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